Durchführung von Abstinenzkontrollen angesichts der COVID-19 Pandemie

Durchführung von Abstinenzkontrollen angesichts der COVID-19 Pandemie

Informationen des FTC München zur Durchführung von Abstinenzkontrollen angesichts der COVID-19 Pandemie und damit verbundener Maßnahmen

Ab dem 23.03.2020 werden im Zuge von Schutzmaßnahmen im FTC München bis auf weiteres keine Proben mehr für Abstinenzkontrollen genommen.
Gerichte, Staatsanwaltschaften und Bewährungshilfen werden von uns informiert.
Alles hier Folgende gilt unverbindlich und spiegelt den augenblicklichen Stand der Dinge wider.

Für Teilnehmer an einem Abstinenzkontrollprogramm im Rahmen der Fahreignungsdiagnostik soll nach Rücksprache mit verantwortlichen Stellen Folgendes gelten: Der Zeitraum bis zur Bekanntgabe der Schließung der Entnahmestelle wird als Belegzeitraum gewertet. Eine Fortführung nach Aufhebung der Schließung ist grundsätzlich möglich. Das Programm gilt für die Zwischenzeit als entschuldigt unterbrochen.

Zur weiteren Orientierung Hinweise aufgegriffen aus einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM):
Wie ist bei EtG-Kontrollen die vermehrte Verwendung von ethanolhaltigen Desinfektionsmitteln zu beachten?
Bei EtG-Bestimmungen in Haaren sind keine positiven Befunde zu erwarten. Grundsätzlich ist eine Alkoholaufnahme über die Haut als nicht relevant zu erachten. Bei sehr häufigem und intensivem Desinfizieren (z.B. bei Klinikpersonal) in der Zeit zwischen Einbestellung und einer Urinabgabe kann es ggf. in Einzelfällen zu einem positiven Urinbefund kommen. Es wird angeraten, möglichst auf Ethanol-freie Desinfektionsmittel zurückzugreifen, Isopropanol-haltige Desinfektionsmittel sind z.B. unbedenklich.

Können in der aktuellen Lage neue Kontrollprogramme vereinbart werden?
Bei Urinkontrollprogrammen ist darauf hinzuweisen, dass der belegte Abstinenzzeitraum erst beginnen kann, wenn die Entnahmestelle wieder in der Lage ist, Urinproben abzunehmen. Über Haaranalysen können nach Wiederaufnahme der Probenahmetätigkeit aber Zeiträume später auch noch rückwirkend abgedeckt werden.

Was soll mit Urinkontrollprogrammen geschehen, die gerade erst gestartet wurden, bei denen aber bisher noch keine oder max. eine Urinkontrolle entnommen werden konnte?
Hat noch keine Urinentnahme stattgefunden muss der Beginn des Programms wohl auf den Zeitpunkt nach der Wiedereröffnung verschoben werden. Hat bereits eine Probenentnahme stattgefunden wird eine Unterbrechung des Programms entsprechend dokumentiert. Bei sehr langen Unterbrechungen von deutlich mehr als 4 Wochen kann ein Neustart des Programms nach Ablauf der Ausnahmesituation empfehlenswert sein, um die Verwertbarkeit des Abstinenzbelegs bei einer späteren Fahreignungsbegutachtung sicher zu stellen.

Wie ist zu verfahren, wenn das Kontrollprogramm eigentlich in den nächsten Wochen endet und wo es unklar ist, ob die letzte(n) Urinabnahme(n) zeitgerecht stattfinden können?
Diese FTC-Kunden werden in der nächsten Zeit von uns aktiv darüber informiert, dass ihr Programm voraussichtlich nicht im vereinbarten Zeitraum beendet werden kann. Sie werden darüber aufgeklärt, dass als Alternative eine auch später entnommene Haaranalyse herangezogen werden kann, um die jetzigen Wochen abzudecken. Bitte nehmen Sie in den folgenden Wochen keinen Haarschnitt und keine Haarbehandlung vor!

Wie ist zu verfahren, wenn eine weitere Haarprobe in Anschluss an eine frühere Haarprobe zu entnehmen ist?
Um einen Abstinenzzeitraum von 1 Jahr zu überblicken sind bei einem BtM-Nachweis 2 Haarproben von je 6 cm Kopfhaar, entnommen im Abstand von 6 Monaten, zu untersuchen, bei einem EtG-Nachweis sogar 4 Haarproben im Abstand von je 3 Monaten.
Die Zeitpunkte der Haarentnahmen müssen dabei nicht tagesgenau diesen Zeitabständen entsprechen. Aufgrund des ohnehin nicht exakt zu bestimmenden Wachstums des Haares (0,8 bis 1,2 cm pro Monat) sowie der stets vorhandenen Restmenge an telogenem und katagenem Haar, ist hier ohnehin eine zeitliche Unschärfe gegeben, die es andererseits zulässt, auch Haarproben, die mit einer Zeitlücke von 2-3 Wochen aufeinander folgen noch als nicht unzulässig unterbrochene Reihe von Abstinenzbelegen zu sehen.

Wie ist zu verfahren, wenn keine Haarproben zu gewinnen sind, um ein Urinkontrollprogramm zu beenden oder zu ergänzen?
Es kann durch uns keine verbindliche Empfehlung gegeben werden. Der Einzelfallprüfung auf Nachvollziehbarkeit und Plausibilität der Angaben und Belege im Rahmen der abschließenden Begutachtung kommt hier besonders Gewicht zu. Ob sich zu dieser Angelegenheit noch übergeordnete Stellen äußern, ist Stand heute offen.
Ggf. reicht es aus, das Kontrollprogramm weiterzuführen, wobei die nicht selbst verantwortete Unterbrechung als entschuldigt gilt.
Alternativ wird man von Folgendem ausgehen können:

  • Je länger der bereits erfolgte Programmzeitraum bis zum Bekanntwerden der Schließung der Entnahmestelle war, um so höheres Gewicht kommt dem bis dahin belegten Abstinenzzeitraum zu.
  • Eine Fortführung nach Beendigung der Schließung verbunden mit einer Verlängerung des Programms von 12 auf z.B. 14 Monaten mit 7 statt 6 Kontrollen erhöht die Plausibilität, dass die Abstinenz fortbestanden hatte und insbesondere auch weiter aufrechterhalten wurde.
  • War das Programm für nur unwesentlich mehr als 6 Monate durchgeführt worden, sollte ggf. bei Fortführung nach Beendigung der Schließung einvollständiges 6-monatiges Programm durchgeführt werden.
  • Ebenfalls erwogen werden kann bei vor der Schließung bereits länger laufenden Programmen (> 9 Monate) und ggf. längeren Schließungszeiten, die Fortführung als „Auffrischungsprogramm“, also die Durchführung von 3 Urinkontrollen in 4 Monaten, zeitnah zur Fahreignungsbegutachtung.